Erasmus+-Individualmobilitäten am Beethoven-Gymnasium
Picassent bei Valencia, Warschau, Dublin: Vier Schüler*innen der 9. Klassen haben im Schuljahr 2025/26 im Rahmen von Erasmus+ mehrere Wochen oder Monate im Ausland verbracht. Jacob und Sasha lebten jeweils drei Wochen in Spanien, Felicia drei Monate in Polen und Emil vier Monate in Irland. Ihre Rückmeldungen zeigen, dass eine Individualmobilität vor allem eines ist: Alltag auf Zeit – mit neuer Schule, Gastfamilie, fremden Routinen, neuen Freundschaften und vielen kleinen Beobachtungen, die hängen bleiben.
Valencia während der Fallas: Für Sasha und Jacob wurde das Fest Teil des Spanienaufenthalts.
Warschau bei Sonnenuntergang: Felicia lernte die Stadt nicht nur als Besucherin, sondern als Schülerin kennen.
Spanien: zwei Perspektiven auf Picassent
Jacob und Sasha waren beide in Picassent, einer kleinen Stadt in der Nähe von Valencia, und besuchten dort die Schule IES L'OM. Trotz des gleichen Ortes klingen ihre Erfahrungsberichte unterschiedlich. Bei Jacob steht vor allem das schnelle Ankommen in der Gruppe im Vordergrund: die Gastfamilie, die Freunde seines Austauschpartners Marcos, Ausflüge und ein Alltag, in dem er sein Spanisch jeden Tag ein Stück selbstverständlicher nutzen konnte, weshalb Jacob resümiert: „Dadurch fühlte ich mich schon nach kurzer Zeit als Teil der Gruppe.“
Sasha hält ebenfalls fest: „Sie waren alle sehr nett und offen“ und beschreibt die kulturellen Eindrücke rund um Valencia, zum Beispiel die Vorbereitungen auf Las Fallas, die laute Mascleta im Stadtzentrum, Paella und Churros, aber auch den Unterricht an der spanischen Schule. Besonders auffällig war für ihn die informellere Atmosphäre im Klassenzimmer, so wurden Lehrkräfte mit Vornamen angesprochen und Antworten oft direkt in die Klasse gerufen. Picassent war nicht nur Ort eines Austauschs, sondern ermöglichte einen konkreten Vergleich mit dem eigenen Schulalltag in Berlin.
Valencia: moderne Architektur zwischen Unterricht, Ausflügen und Austauschprogramm.
IES L'OM in Picassent: Hier besuchten Jacob und Sasha den Unterricht.
Polen: Schule einmal anders
Nachdem sie eine polnische Gastschülerin beherbergte, die bei uns zur Schule ging, verbrachte Felicia drei Monate in Warschau und besuchte dort das II Liceum Ogólnokształcące im. Stefana Batorego (zu Deutsch: Zweites allgemeinbildendes Gymnasium mit zweisprachigen Bereichen im Namen von Stefan Batory), eine der besonders renommierten Schulen der Stadt. Ihr Erfahrungsbericht hebt Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Schulerleben hervor: mehr Frontalunterricht, häufigere Tests, stärkere Profilbildung und weniger Gewicht auf mündlicher Beteiligung. Gerade diese Unterschiede machten den Aufenthalt für sie aufschlussreich. „Zusammengefasst gibt es viele, aber teilweise subtile Unterschiede zwischen Warschau und Berlin und unseren Schulen“,meint sie. Neben der Schule nutzte sie die Zeit für Museen, Spaziergänge durch die Altstadt, Polnisch- und Trompetenunterricht.
Innenhof des Stefan-Batory-Gymnasiums in Warschau.
Die historische Aula der Schule gehört zu den eindrucksvollsten Räumen des Gebäudes.
Irland: Schule, Meer und lange Wege
Emil ging von Mitte August bis Mitte Dezember 2025 nach Dublin. Seine Gastfamilie lebte in Dún Laoghaire, etwa 500 Meter vom Meer entfernt – mit Gastbruder Edward und zwei deutschen Doggen. Er besuchte St. Kilian's German School, wo trotz deutscher Schulstruktur überwiegend Englisch gesprochen wurde. Der Schultag war lang, der Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft noch länger. Dafür gehörten Fußballtraining, Spiele gegen andere Schulen, Wochenendausflüge, Hundespaziergänge und Schwimmen im Meer bald fest zu seinem irischen Alltag. Abschließend hält Emil fest: „Insgesamt war es eine super Erfahrung, um neue Menschen kennenzulernen, Lebenserfahrung zu sammeln und eine Sprache zu lernen oder zu vertiefen.“ So war es nur folgerichtig, dass Emils Gastbruder Edward auch uns für einige Monate besuchte.
An der irischen Westküste: ein Wochenendausflug mit Gastfamilie, Camper und Surfbrett.
Dublin am Abend: Für Emil wurde die irische Hauptstadt mehrere Monate lang zum Alltag.
Was bleibt?
Vier Mobilitäten, drei Länder und sehr verschiedene Erfahrungen, gemeinsam ist ihnen der Wechsel vom Besuch zum Alltag. Die Schüler*innen mussten sich auf neue Regeln, andere Schulwege, andere Unterrichtsformen und andere Sprachen einlassen. Genau darin liegt der Wert solcher Erasmus+-Aufenthalte, denn Europa bleibt nicht nur abstraktes Unterrichtsthema, sondern eine konkrete Erfahrung mit Menschen, Orten, Routinen und manchmal auch ziemlich lauten Feuerwerken.